Neues Projekt stärkt Mädchen und junge Frauen im Bezirk Oberpullendorf
05.01.2026
Mit dem Projekt „Plan Yourself – Meine Zukunft. Meine Entscheidung.“ startet die Frauenberatungsstelle Oberpullendorf ein umfassendes neues Angebot für Mädchen und junge Frauen in der Region. Ziel ist es, Themen sichtbar zu machen, die im Alltag oft unsichtbar bleiben, aber großen Einfluss auf Lebenswege haben – allen voran Mental Load, unbezahlte Care-Arbeit, finanzielle Abhängigkeiten und deren langfristige Folgen für Bildungs-, Berufs- und Lebensentscheidungen.
Das Projekt wurde kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz in Oberpullendorf vorgestellt. Geleitet wird „Plan Yourself“ von Melanie Pöll, Sozialarbeiterin bei der Frauenberatungsstelle Oberpullendorf, die seit November für die Umsetzung verantwortlich ist. Finanziert wird das Projekt zu 100 Prozent vom Frauenministerium.
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Unsichtbare Belastungen sichtbar machen
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Sensibilisierung für Mental Load und Care-Arbeit – also für jene organisatorischen, emotionalen und planerischen Aufgaben im Familien- und Haushaltsalltag, die meist von Frauen übernommen werden. Mental Load beschreibt dabei das „Mitdenken“: Wer plant den Einkauf? Wer weiß, wann welches Kind was braucht? Wer organisiert Termine, Betreuung, Schule, Pflege und Haushalt?
Diese Aufgaben sind oft unsichtbar, verursachen aber hohen Stress und wirken sich langfristig aus. In den Beratungen der Frauenberatungsstelle zeigen sich immer wieder Frauen, die sich überfordert fühlen oder glauben, mit dieser Belastung allein zu sein. Wird der Begriff Mental Load erklärt, wird deutlich: Es handelt sich nicht um individuelles Versagen, sondern um ein strukturelles gesellschaftliches Problem.
Von Rollenbildern zu ökonomischer Abhängigkeit
Traditionelle Rollenbilder führen dazu, dass Frauen häufig schlechter bezahlte „Frauenberufe“ wählen, weniger verdienen und seltener Einblick in Familienfinanzen haben. Diese finanzielle Abhängigkeit kann in Beziehungen zu einem Machtungleichgewicht führen – bis hin zu ökonomischer Gewalt.
Auch die langfristigen Folgen sind deutlich messbar: Frauen erhalten in Österreich deutlich weniger Pension als Männer. Im Burgenland lag der Equal Pension Day heuer bereits am 5. August – ein Symbol dafür, wie groß der Gender Pension Gap ist. Genau hier setzt „Plan Yourself“ frühzeitig an.
Fokus auf junge Frauen – früh ansetzen
Die Zielgruppe des Projekts sind Mädchen ab 14 Jahren sowie junge Frauen. Die Projektverantwortlichen sind überzeugt: Je früher diese Themen besprochen werden, desto größer ist der Hebel für nachhaltige Veränderung. Information ist die Grundlage für reflektierte und selbstbestimmte Entscheidungen – sei es bei der Berufswahl, der Familienplanung oder im Umgang mit Geld.
Um die Inhalte altersgerecht zu vermitteln, setzt das Projekt „Plan Yourself“ auf ein breites Maßnahmenpaket:
- Schulworkshops für Mädchen ab 14 Jahren
- Kooperationen mit dem BRG Oberpullendorf, der HAK Oberpullendorf und der Polytechnischen Schule Oberpullendorf
- Workshops für arbeitssuchende Frauen in Zusammenarbeit mit dem Frauenberufszentrum, dem BUZ Neutal und dem BFI Burgenland
- Einzelberatungen, Peer-to-Peer-Angebote und Mentorings
Die Schulworkshops sind mit rund drei Stunden geplant und richten sich bewusst ausschließlich an Mädchen. Themen sind unter anderem finanzielle Bildung, Haushaltsführung, Schuldenbürgschaften und Karriereplanung. Geplant ist auch die Entwicklung eines „Financial Diary“, eines speziell für junge Frauen gestalteten Haushaltsbuchs mit Analyse- und Planungshilfen.
Karriere, Finanzen und Familienplanung zusammendenken
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit Familienplanung und Karenz. Thematisiert wird etwa, dass Männer während der Karenzzeit ihrer Partnerinnen häufig Karriereschritte machen, während Frauen beruflich zurückstecken, Teilzeit arbeiten oder Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Diese Entscheidungen haben langfristige Auswirkungen – und genau darüber soll offen gesprochen werden.
„Es geht nicht darum, Lebensentwürfe vorzugeben“, betont Projektleiterin Melanie Pöll, „sondern darum, Informationen bereitzustellen, damit junge Frauen bewusst und informiert entscheiden können.“
Ein erster Schritt mit Blick in die Zukunft
„Plan Yourself“ ist zunächst auf den Bezirk Oberpullendorf beschränkt und startete offiziell am 1. November 2025. Die Umsetzung der Workshops beginnt nach den Semesterferien. Ob das Projekt fortgesetzt oder ausgeweitet wird, hängt von künftigen Ausschreibungen des Frauenministeriums ab.
Langfristig denken die Projektverantwortlichen auch darüber nach, Männer stärker einzubeziehen. Denn strukturelle Veränderungen sind nur möglich, wenn alle mitziehen. Für den ersten Schritt aber steht klar im Fokus: Mädchen und junge Frauen zu stärken, ihnen Wissen zu vermitteln und sie auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte, ökonomisch abgesicherte Zukunft zu begleiten.
Mit „Plan Yourself – Meine Zukunft. Meine Entscheidung.“ setzt die Frauenberatungsstelle Oberpullendorf ein starkes Zeichen für Gleichstellung, Aufklärung und Empowerment – genau dort, wo es am dringendsten gebraucht wird.
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