„Lamento Grande“ als vielschichtiges Kunstprojekt
22.01.2026
Mit „Lamento Grande“ präsentieren Eveline Rabold und Peter Wagner ein künstlerisches Projekt, das sich bewusst zwischen den Genres bewegt. Der Liederzyklus verbindet Musik, Poesie und visuelle Kunst zu einem inszenierten Konzerterlebnis. Entstanden ist ein Werk, das gesellschaftliche Stimmungen aufgreift und diese in einer eigenständigen Form verarbeitet. Am 1. Februar ist „Lamento Grande“ in der Landesgalerie Burgenland in Eisenstadt zu erleben.
Peter Wagner ist Autor, Komponist, Regisseur und Filmemacher. Seine Texte prägen das Projekt maßgeblich. Die 24 Lieder des Zyklus sind über einen längeren Zeitraum entstanden, viele davon während der Pandemie. Wagner beschreibt diese Phase als eine Zeit intensiver künstlerischer Auseinandersetzung mit Sprache, Weltgeschehen und persönlicher Wahrnehmung. Die Texte seien nicht als abgeschlossene Erzählung konzipiert, sondern als poetische Reflexionen über Gegenwart, gesellschaftliche Brüche und menschliche Erfahrungen.
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Musikalische Vielfalt und persönliche Handschrift
Musikalisch ist „Lamento Grande“ breit angelegt. Der Zyklus bewegt sich zwischen Chanson, Rock, Musical und zeitgenössischer Musik. Wagner arbeitet dabei mit dem Trio „Rabold-Paul-Wagner“ zusammen. Eine zentrale Rolle spielt der Musiker und Arrangeur Rainer Paul, der die Kompositionen maßgeblich mitgestaltet. Gemeinsam mit weiteren Musikern entsteht eine fünfköpfige Band, die das Projekt live umsetzt.
Für Wagner ist das Schreiben von Liedern kein routinierter Prozess. Manche Stücke entstehen rasch, andere benötigen Zeit. Entscheidend sei, dass die Songs einen Bezug zur Lebensrealität haben. Reine Unterhaltung ohne inhaltliche Tiefe interessiere ihn nicht. Der titelgebende Begriff „Lamento“ sei dabei nicht ausschließlich als Klage zu verstehen, sondern auch mit Ironie und Distanz versehen.

Eveline Rabold als interpretierende Stimme
Eveline Rabold ist Sängerin, bildende Künstlerin und Grafikdesignerin. In „Lamento Grande“ übernimmt sie einen großen Teil der gesanglichen Interpretation. Ihre Ausbildung in klassischem Gesang und Jazz ermöglicht ihr einen flexiblen Zugang zu den unterschiedlichen musikalischen Anforderungen. Die klassische Technik gebe Sicherheit, während der Jazz Freiraum in der Interpretation eröffne, erklärt Rabold.
Besonders herausfordernd sei für sie die Arbeit mit Wagners Texten. Diese seien sehr dicht und poetisch. Ziel sei es, jedes Wort verständlich zu transportieren und gleichzeitig eine eigene Interpretation zu entwickeln. Gerade im Live-Kontext spiele Verständlichkeit eine zentrale Rolle. Rabold betont zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb der Band. Die gegenseitige Unterstützung und das Fehlen von Eitelkeiten seien wesentlich für die Qualität der Aufführungen.

Inszenierung als visuelle Erweiterung
„Lamento Grande“ versteht sich nicht als klassisches Musiktheater. Die Inszenierung erfolgt über eine aufwendig gestaltete visuelle Ebene. Im Hintergrund der Bühne wird ein Triptychon eingesetzt, das aus drei miteinander verbundenen Bildflächen besteht. Diese Visuals sind exakt auf die Musik abgestimmt und erweitern das Hörerlebnis um eine visuelle Dimension.
In die Bildgestaltung fließen Werke mehrerer burgenländischer Künstlerinnen und Künstler ein, darunter Ilse Lichtenberger, Annelie Wagner, Fria Elfen und Wolfgang Horvath. Die bildende Kunst wird dabei nicht dekorativ eingesetzt, sondern als gleichwertiger Bestandteil des Gesamtkonzepts verstanden.
Ein Ort für das Gesamtkunstwerk
Die Aufführung in der Landesgalerie Burgenland ist bewusst gewählt. Als Ort der bildenden Kunst bietet sie den passenden Rahmen für das Zusammenspiel von Musik, Text und Bild. Rabold betont, dass die Galerie den visuellen Elementen jene Bedeutung verleiht, die für das Projekt zentral ist.
Publikumsreaktionen auf bisherige Aufführungen beschreibt Wagner als geprägt von Überraschung. Viele Besucherinnen und Besucher hätten etwas anderes erwartet als ein subtil inszeniertes Konzert, das mit Zurückhaltung und Präzision arbeitet. Ziel sei es nicht, spektakuläre Effekte zu erzeugen, sondern ein vielschichtiges Wahrnehmungserlebnis zu ermöglichen.

„Lamento Grande“ lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und Bilder wirken zu lassen. Das Projekt zeigt, wie unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen ineinandergreifen können, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Die Aufführung am 1. Februar bietet die Gelegenheit, dieses Zusammenspiel live zu erleben.
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