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Künstliche Intelligenz: Chancen, Risiken und die Realität unseres Alltags

03.12.2025

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Thema für Forschungslabore oder technikaffine Kreise. Sie ist im Alltag angekommen – oft unbemerkt, aber mit deutlicher Wirkung. In der aktuellen MEMO-Sendung sprach Jelica Saček mit Andreas Wenth, KI-Experte, Autor mehrerer Fachbücher und seit über 25 Jahren in der Kreativbranche tätig. Seine Einschätzungen zeigen, wie stark KI heute bereits genutzt wird und welche Entwicklungen in den vergangenen Jahren besonders prägend waren.

Zu Beginn des Gesprächs erklärte Wenth, wie er künstliche Intelligenz definiert. Herkömmliche Computer folgen klaren Anweisungen: „Wenn A plus B, dann C.“ KI hingegen arbeitet anders. Sie ist, wie er sagt, eine Art „Kreativmaschine“, die aus Eingaben neue Inhalte erzeugt. Der Begriff „Intelligenz“ sei zwar nicht unproblematisch, weil er zu sehr an menschliches Denken erinnere, dennoch beschreibt er die grundlegende Veränderung: Systeme, die mit uns im Dialog stehen und Neues generieren, statt nur Vorhandenes zu kombinieren.

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Diese generative Fähigkeit, so Wenth, sei entscheidend für die Faszination rund um moderne KI. In Bildern, Texten und sogar Videos könne KI inzwischen Inhalte schaffen, die nicht einfach kopiert oder zusammengestellt, sondern tatsächlich neu erzeugt werden.

Warum KI seit wenigen Jahren omnipräsent wirkt

Obwohl viele Menschen den Eindruck haben, KI sei erst in den vergangenen fünf Jahren zu einem Massenphänomen geworden, zeigt Wenth, dass grundlegende Technologien schon viel länger existieren. Ein Beispiel: Bereits 2017 erschien ein wissenschaftliches Paper zur Bilderkennung, das belegt, dass Maschinen mittlerweile besser als Menschen unterscheiden können, was auf einem Bild zu sehen ist. Diese Technologien kommen seit Jahren in der Medizin zum Einsatz – etwa in Röntgengeräten oder MRT-Systemen, die Muster oder Krebszellen erkennen.

Neu ist jedoch, dass KI für die breite Bevölkerung zugänglich geworden ist. Lange Zeit arbeiteten Expertensysteme im Hintergrund. Heute kann jeder auf dem Handy Text generieren, Fragen stellen oder ein Bild erzeugen lassen. Die Möglichkeit, direkt mit KI zu kommunizieren, habe die Wahrnehmung geändert. Was früher unsichtbar war, ist heute Teil des Alltags – und dadurch auch zur gesellschaftlichen Debatte geworden.

Europa und Österreich im internationalen Vergleich

Auf die Frage, wie Österreich im Bereich KI aufgestellt ist, unterscheidet Wenth zwei Perspektiven: die Nutzung und die Entwicklung. Als Nutzerinnen und Nutzer stehen wir im europäischen Durchschnitt und fallen weder positiv noch negativ auf. Anders sieht es bei der Entwicklung eigener KI-Modelle aus. Hier, sagt Wenth, befinde sich Österreich in der gleichen Lage wie der Großteil Europas: Wir spielen keine führende Rolle.

Während US-amerikanische und chinesische Unternehmen Milliarden investieren, könne Europa nur vereinzelt mithalten. Als Beispiel nennt Wenth das französische Modell Mistral. Doch Budgets in Milliardenhöhe treffen auf Budgets in hunderten Milliarden – ein kaum aufzuholender Abstand. Für Europa bedeutet das vor allem: Wir sind Nutzer, nicht Entwickler.

Wie KI unbemerkt in viele Bereiche eindringt

Ein immer wiederkehrendes Motiv im Gespräch ist die Frage, warum viele nicht bemerken, wie verbreitet KI bereits ist. Für Wenth liegt das daran, dass KI sich „subkutan in unser System hineinschwindelt“. Sie steckt in Bankprozessen, die Kreditwürdigkeit beurteilen, im Smartphone, das automatisch Fotos sortiert, oder in medizinischen Befunden, die maschinell voranalysiert werden.

Für die breite Öffentlichkeit sichtbar wurde KI erst mit Chatbots und Textmodellen. Doch unsichtbare Maschinerien laufen schon viel länger – und sie beeinflussen Entscheidungen, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer davon erfahren.

Warum der Umgang mit KI ein Zukunftsthema bleibt

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz stellt Länder und Gesellschaften vor große Herausforderungen. Wenth betont, dass die zentrale Frage künftig nicht sei, ob wir KI nutzen – sondern wie. Die Systeme sind da, die Datenmengen wachsen, und die Erwartungen steigen. Gleichzeitig fehlen in Europa die Ressourcen, um mit den großen Tech-Unternehmen mitzuhalten.

Umso wichtiger sei es, zu verstehen, was KI kann, wie sie funktioniert und wo sie eingesetzt wird. Die Technologie sei keine ferne Vision, sondern bereits ein Bestandteil unseres Alltags – oft sinnvoll und hilfreich, manchmal unsichtbar, aber nie unbedeutend.


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