KI – Chance oder Gefahr?
03.03.2026
Mit einer hochaktuellen Frage beschäftigte sich kürzlich ein Vortragsabend im Pfarrzentrum Oberpullendorf. Eingeladen hatte das Forum Katholische Erwachsenenbildung der Diözese Eisenstadt. Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung, um sich mit den gesellschaftlichen, technischen und ethischen Dimensionen künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen.
Als Referent konnte Mag. Dr. Robert Wurzrainer, Religionswissenschaftler und Ethikexperte an der Universität Wien, gewonnen werden. In seinem rund zweistündigen Vortrag spannte er einen weiten Bogen – von den historischen Anfängen der KI-Forschung bis hin zu aktuellen Anwendungen im Alltag.
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Bereits in den 1950er-Jahren stellte der britische Mathematiker Alan Turing die berühmte Frage: Können Maschinen denken? Mit seinem sogenannten Turing-Test entwickelte er ein Gedankenexperiment, bei dem geprüft werden sollte, ob eine Maschine in der Kommunikation von einem Menschen zu unterscheiden ist. Was damals visionär klang, ist heute in vielen Bereichen Realität. Chatbots auf Webseiten, personalisierte Empfehlungen bei Streamingdiensten oder automatische Gesichtserkennung am Smartphone – all das basiert längst auf KI-Systemen.
Wurzrainer betonte jedoch, dass künstliche Intelligenz nicht mit menschlicher Intelligenz gleichzusetzen sei. KI könne logisches Denken, Lernen oder Planen imitieren, handle aber nicht aus eigenem Antrieb. „Der Begriff der Ähnlichkeit ist entscheidend“, erklärte er. Maschinen arbeiteten auf Basis großer Datenmengen und klarer Aufträge. Kreativität, Eigeninteresse oder moralisches Bewusstsein seien weiterhin genuin menschliche Eigenschaften.
Besonders anschaulich wurde der Vortrag bei konkreten Beispielen: In der Medizin unterstützt KI bereits heute bei der Auswertung komplexer Daten, etwa in der Krebsforschung oder bei der Analyse von Krankheitsbildern. Auch autonome Fahrzeuge, automatisierte Arbeitsprozesse oder personalisierte Online-Angebote zeigen das enorme Potenzial dieser Technologie. Hier eröffnen sich Chancen für Innovation, Effizienzsteigerung und sogar für die Bewältigung globaler Herausforderungen wie Klimaschutz oder Gesundheitsversorgung.

Gleichzeitig verschwieg der Referent nicht die Risiken. KI könne Arbeitsplätze verändern oder ersetzen, ethische Konflikte verschärfen und durch fehlerhafte Informationen Schaden anrichten. Datenschutz, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten seien zentrale Fragen, die Gesellschaft und Politik beantworten müssten. Dass auf europäischer Ebene bereits reguliert wird, zeige etwa der 2024 beschlossene AI-Act der Europäischen Union, der unterschiedliche Anforderungen je nach Risikostufe von KI-Systemen vorsieht.
Ein zentrales Anliegen des Abends war die Betonung der menschlichen Verantwortung. „Es kommt immer auf den Menschen an, der die KI nutzt“, so Wurzrainer. Künstliche Intelligenz selbst sei weder gut noch böse. Sie sei ein Werkzeug. Entscheidend sei, wie wir als Individuen und als Gesellschaft damit umgehen. Ergebnisse von KI-Systemen dürften nicht unkritisch übernommen werden. Vielmehr brauche es Hausverstand, kritisches Denken und auch ein gewisses Bauchgefühl im Umgang mit KI-generierten Inhalten – besonders bei Texten und Bildern.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von der inhaltlichen Breite und der verständlichen Aufbereitung. Manche berichteten von eigenen Erfahrungen mit KI-Anwendungen, andere äußerten Unsicherheiten oder Sorgen. Deutlich wurde: Das Thema bewegt und fordert zur Auseinandersetzung heraus.
Auch aus kirchlicher Perspektive ist KI längst angekommen. Barbara Buchinger vom Forum Katholische Erwachsenenbildung betonte, dass der Mensch mit seinen Werten, seiner Würde und seiner Beziehungsfähigkeit im Zentrum bleiben müsse. KI könne in der Pastoral und Verwaltung durchaus hilfreich sein, ersetze jedoch niemals die menschliche Persönlichkeit. Gerade deshalb sei es Aufgabe der Kirche, ethische Fragen zu stellen und Orientierung zu bieten.
Der Abend in Oberpullendorf machte deutlich: Die Frage „Chance oder Gefahr?“ lässt sich nicht eindeutig beantworten. Künstliche Intelligenz eröffnet enorme Möglichkeiten, verlangt aber zugleich Verantwortung, klare Regeln und einen bewussten Umgang. Letztlich entscheidet nicht die Technik selbst über ihre Wirkung – sondern der Mensch, der sie gestaltet und einsetzt.
Den Vortrag in voller Länge hören Sie am Mittwoch (4. März) um 20 Uhr im Programm von Radio MORA in unserer Vortragsreihe.
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