„Judas, ein Mensch“ geht 2026 auf Burgenland-Tour
26.02.2026
Das Musical „Judas, ein Mensch“ sorgte bereits bei seiner Premiere im vergangenen Herbst für große Resonanz – sowohl beim Publikum als auch in der Presse. Nach mehreren erfolgreichen Aufführungen in Niederösterreich und im Burgenland wird die Produktion im Frühjahr 2026 erneut auf Tour gehen. Geplant ist eine Konzertfassung, reduziert auf Sängerinnen und Sänger, Chor, Erzähler und minimale Kostüme. Der Fokus liegt dabei ganz auf der Musik und der Kraft der Geschichte.
Zu Gast im MEMO-Studio bei Radio MORA waren die kreativen Köpfe und Darstellerinnen und Darsteller des Stücks. Künstlerischer Leiter, Komponist und Autor Thomas Steiner, der mit dem neu gegründeten Verein Musical-Werkstatt „Sonnenland“ hinter dem Projekt steht, betonte die besondere Perspektive des Werks: Erzählt wird die Passion Christi – allerdings aus der Sicht des Judas Iskariot.

Ein Stück über Jesus – ohne Jesus
„Es ist ein Stück über Jesus, ohne Jesus“, bringt es Michael Wachelhofer, der den Kajaphas verkörpert, auf den Punkt. Jesus selbst tritt nicht als Figur auf. Dennoch sei dem Publikum bei bisherigen Aufführungen nie etwas „abgegangen“. Die Geschichte funktioniere, die Aussage sei klar.
Im Zentrum steht nicht der Verrat als solcher, sondern die menschliche Zerrissenheit einer Figur, die oft vorschnell als Symbol des Bösen abgestempelt wird. Thomas Steiner sieht Judas als eine Art Sündenbock – ein Mechanismus, der auch heute noch allgegenwärtig sei. „Wir tendieren als Menschen dazu, jemanden schlecht zu machen, um selbst besser dazustehen“, so Steiner. Genau hier setzt das Stück an: Es will nicht belehren, sondern zum Nachdenken anregen.
Der sogenannte „Provokateur“, eine Erzählerfigur, überträgt biblische Inhalte in die Gegenwart und stellt unbequeme Fragen. Etwa: Würden wir tatsächlich die andere Wange hinhalten, wenn uns jemand schlägt? Und sind wir automatisch schlechte Christen, wenn wir religiöse Gebote nicht wortwörtlich erfüllen? Das Musical verstehe sich nicht als Religionsunterricht, sondern als Einladung zur Selbstreflexion – unabhängig vom persönlichen Glauben.

Die Herausforderung der Zerrissenheit
Roman Wagner, der in der Konzertversion die Rolle des Judas übernimmt, beschreibt die Figur als große emotionale Aufgabe. „Die Zerrissenheit des Judas wird sowohl musikalisch als auch szenisch die Hauptherausforderung sein“, erklärt er. In der reduzierten Fassung könne er sich zunächst ganz auf die Musik konzentrieren und den Charakter in den Liedern entdecken. Die szenische Tiefe werde in einem nächsten Schritt erarbeitet.
Besonders reizvoll sei für ihn der menschliche Aspekt: Judas handle aus Hoffnung, aus dem Wunsch heraus, das Beste für die Gemeinschaft zu wollen. Wenn diese Hoffnung enttäuscht werde, stelle sich die Frage, wie sehr ein Mensch dadurch verändert werde. Genau diese psychologische Dimension habe ihn an dem Projekt „gecatcht“.
Auch Michael Wachelhofer spricht von der Herausforderung, auf der Bühne den Bösewicht zu verkörpern – und hinter der Bühne wieder in die freundschaftliche Kollegialität zurückzufinden. Der Moment, in dem der Verrat zwischen Judas und Kajaphas eingefädelt wird, sei für ihn einer der dramatischen Höhepunkte.

Zwischen Klassik und Musical
Johanna Weinhofer, die Maria Magdalena singt, kommt ursprünglich aus der klassischen Gesangsschiene und studiert an der Joseph Haydn Privathochschule in Eisenstadt. Für sie bedeutet „Judas, ein Mensch“ einen stilistischen Wechsel. „Im Musical gibt es nicht dieses große Vibrato wie in der Oper, alles ist viel fokussierter“, erzählt sie. Die Rolle verlange nicht nur stimmliche Anpassung, sondern auch emotionale Vielschichtigkeit – besonders in den Schlussszenen, in denen Maria Magdalena zwischen Trauer, Liebe und Gotteszweifel hin- und hergerissen ist.

Entstanden aus Leidenschaft
Dass Thomas Steiner neben Komposition und Text schließlich auch die Regie übernahm, war ursprünglich einer Notlösung geschuldet. Trotz zahlreicher Anfragen fand sich kein externer Regisseur. „Es waren viele schlaflose Nächte“, gesteht Steiner, „aber es war eine Riesenbereicherung.“ Auch Bühnenbild und Kostüme entstanden mit viel Improvisationstalent und Unterstützung aus dem Ensemble.
Getragen wird das Projekt vom gemeinnützigen Verein Musical-Werkstatt „Sonnenland“, der sich besonders der Jugendförderung widmet. Rund zehn Solistinnen und Solisten sowie ein 25-köpfiger Chor – ausgewählt bei einem Casting 2024 in Eisenstadt – bringen das Werk auf die Bühne.
Mit der Tour 2026 soll „Judas, ein Mensch“ nun noch mehr Menschen im Burgenland erreichen. Ein religiöses Stück, das gleichzeitig sehr menschlich ist – und das den Mut hat, bekannte Geschichten neu zu erzählen.

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