Hrvati meet Schönbrunn
20.01.2026
Der Wiener Kroatenball hat auch in seiner 79. Ausgabe seine besondere Stellung im kulturellen Leben der burgenlandkroatischen Community unter Beweis gestellt. Am 17. Jänner verwandelte sich das Parkhotel Schönbrunn erneut in einen Treffpunkt für Kultur, Musik und Begegnung. Gäste aus Österreich, Kroatien und weiteren Ländern feierten gemeinsam eine Ballnacht, die Tradition und zeitgenössische Elemente miteinander verband.
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Mit der offiziellen Eröffnung begann eine Ballnacht, die von Beginn an eine besondere Atmosphäre trug. Für den Eröffnungsauftritt sorgte das Ensemble „Kolo Slavuj“, das 55 Jahre nach seinem ersten Auftritt beim Kroatenball traditionelle Tänze mit modernen choreografischen Elementen verband. Die Darbietung schlug eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und setzte einen bewussten Akzent auf kulturelle Weiterentwicklung.

Der Wiener Kroatenball zählt zu den größten gesellschaftlichen Veranstaltungen der burgenlandkroatischen Volksgruppe. Er versteht sich nicht nur als Ballabend, sondern als kulturelle Plattform, die Identität sichtbar macht und Begegnungen ermöglicht. Diese Rolle spiegelt sich auch im vielfältigen Programm wider, das jedes Jahr neu konzipiert wird.

Organisation als ehrenamtliche Gemeinschaftsarbeit
Ein zentraler Teil des Abends bleibt für die Gäste meist unsichtbar: die monatelange Vorbereitung. Hauptorganisator Peter Tyran erklärte, dass die Planung für den nächsten Ball bereits am Tag nach der Veranstaltung beginne. „After ist gleich bevor“, sagte Tyran und verwies darauf, dass der 80. Kroatenball im kommenden Jahr als Jubiläumsball neue Akzente setzen soll.
Die Organisation basiert fast ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement. Tyran betonte: „Wir investieren unsere Freizeit und auch eigenes Geld, mit dem Ziel, unseren Leuten zumindest einmal im Jahr ein großes gemeinsames Erlebnis zu ermöglichen.“ Der Ball stehe dabei auf vier Säulen: Diplomatie, Politik, Kultur und Wirtschaft. Ziel sei es, Menschen aus diesen Bereichen miteinander ins Gespräch zu bringen und nachhaltige Kontakte zu fördern.

Atmosphäre zwischen Generationen und Kulturen
Auch Katharina Tyran, Teil des Organisationsteams, hob die Vielfalt des Publikums hervor. Gäste aus mehreren Generationen, darunter auch Besucherinnen und Besucher über neunzig Jahre, prägten das Bild des Abends. „Es ist schön zu sehen, dass junge und ältere Generationen gemeinsam feiern“, sagte sie. Die größte Herausforderung sei jedes Jahr, viele kleine Details zu koordinieren und zugleich ein Programm zu gestalten, das möglichst viele anspricht.
Als persönliches Highlight nannte sie ebenfalls die Eröffnung. Diese habe das Publikum emotional mitgenommen und gezeigt, wie lebendig Tradition sein könne, wenn sie neu interpretiert werde.

Musik als verbindendes Element
Die musikalische Gestaltung spielte auch heuer eine zentrale Rolle. Mehrere Bands und Musikgruppen sorgten in den Sälen für Abwechslung. Die Gruppe „Koprive“ beschrieb das Publikum als besonders energiegeladen. „Wenn wir sehen, dass die Leute singen, tanzen und die Musik genießen, dann ist das für uns das Wichtigste“, erklärte ein Bandmitglied.
Seit dem Jahr 1982 ist auch die Gruppe „PAX“ fixer Bestandteil des Wiener Kroatenballs. Ein Musiker betonte, dass die kroatische Musik oft der erste Zugang zur Sprache sei. „Die Musik ist die erste Brücke. Viele können die Lieder mitsingen, auch wenn sie die Sprache noch nicht perfekt sprechen.“

Bedeutung für Identität und Sichtbarkeit
Neben Musik und Tanz ist der Kroatenball ein gesellschaftlicher Treffpunkt für Vereine, Institutionen und Persönlichkeiten der Community. Sophie Hajszan, ehemalige Präsidentin des Kroatischen Akademischen Klubs (HAK), sprach von einer wichtigen Außenwirkung. Die Veranstaltung zeige, dass kroatische Kultur in Wien auf hohem Niveau präsent sei und offen für Austausch bleibe.
Auch Ballbesucherinnen und Ballbesucher beschrieben die Atmosphäre als herzlich und zugänglich. Eine Besucherin sagte: „Man fühlt sich willkommen. Es ist nicht abgehoben, sondern gemütlich und offen.“ Ein anderer Gast bezeichnete den Ball als kulturelle Manifestation der kroatischen Gemeinschaft, unabhängig davon, wo diese lebt.

Ausblick auf das Jubiläum
Der 79. Wiener Kroatenball hat erneut gezeigt, wie stark Gemeinschaft sein kann, wenn viele freiwillig Verantwortung übernehmen. Tradition, Musik und Begegnung standen im Mittelpunkt eines Abends, der weit über einen klassischen Ball hinausging. Mit Blick auf den 80. Kroatenball im kommenden Jahr kündigten die Organisatorinnen und Organisatoren an, Bewährtes fortzuführen und zugleich neue Impulse zu setzen.
Der Wiener Kroatenball bleibt damit ein zentraler Ort kultureller Identität, des Austauschs und des gemeinsamen Feierns – getragen von Engagement, Musik und einem starken Gemeinschaftsgefühl.
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