Fastenzeit: Verzicht, Gesundheit und Neubeginn
18.02.2026
Nach mehreren Wochen ausgelassener Faschingsstimmung ist wieder Ruhe eingekehrt. Mit dem Aschermittwoch hat für viele Christinnen und Christen die 40-tägige Fastenzeit begonnen – eine Phase der Besinnung, des bewussten Verzichts und der inneren Erneuerung bis Ostern. Heuer fällt sie zeitgleich mit dem muslimischen Ramadan zusammen, einer ebenso bedeutenden Zeit des Fastens, der spirituellen Reinigung und der Hinwendung zu Gott. Ein Beitrag aus dem Archiv von Radio MORA.
Während im Christentum häufig auf Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten verzichtet wird, fasten Musliminnen und Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und verzichten auf Essen und Trinken. Beide Traditionen zeigen: Fasten ist weit mehr als bloßer Nahrungsverzicht – es geht um Achtsamkeit, Dankbarkeit und einen bewussteren Lebensstil.
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Fasten als religiöse und persönliche Praxis
Ein Pfarrer erklärt, dass Fasten bedeutet, „unnötige Dinge wegzulassen, damit das Herz wieder frei wird für das eigentliche Fest“. Schon früher gab es auch vor Weihnachten eine Fastenzeit. Das Prinzip sei in nahezu allen Religionen und Kulturen zu finden. Der bewusste Abstand vom Gewohnten schaffe Raum für innere Veränderung.
Doch nicht alle fasten aus religiösen Gründen. Viele Menschen nutzen diese Zeit, um persönliche Gewohnheiten zu überdenken. Manche verzichten auf Fleisch oder Süßigkeiten, andere auf Alkohol, Zigaretten oder soziale Medien. Für einige steht die Selbstdisziplin im Vordergrund: Kann ich wirklich auf etwas verzichten, das ich täglich konsumiere? Andere wiederum messen der Fastenzeit wenig Bedeutung bei oder leben ihre bewusste Ernährung das ganze Jahr über.

Die Stimmen aus der Bevölkerung zeigen ein breites Spektrum: Von konsequentem Verzicht über sportlich motivierte Ernährungsdisziplin bis hin zu bewusster Gegenposition ist alles vertreten. Fasten ist längst nicht mehr ausschließlich religiös geprägt, sondern auch Ausdruck individueller Lebensgestaltung.
Medizinisches Fasten: Was passiert im Körper?
Neben spirituellen Motiven gewinnt das gesundheitliche Fasten zunehmend an Bedeutung. Medizinisch betrachtet bedeutet Fasten eine zeitlich begrenzte Kalorienreduktion von unter 600 Kilokalorien pro Tag. Wichtig ist: Es handelt sich dabei nicht um eine dauerhafte Ernährungsform, sondern um eine zeitlich beschränkte Maßnahme.
Dr. Ulrike Göschl, ärztliche Leiterin des Kurhauses Marienkron, erklärt, dass der Körper während des Fastens vom Zucker- auf den Fettstoffwechsel umstellt. Dabei werden Glykogenreserven aufgebraucht und Energie aus Fettsäuren gewonnen. Dieser Prozess fördert die sogenannte Autophagie – eine Art „Recyclingprogramm“ des Körpers, bei dem alte Zellbestandteile abgebaut und erneuert werden.
Fasten kann entzündungshemmend wirken, insbesondere bei Gelenkserkrankungen wie Arthrose oder Arthritis. Schon nach wenigen Tagen berichten Betroffene oft von weniger Schmerzen und Schwellungen. Wichtig sei jedoch eine sanfte Einleitung und ein ebenso behutsamer Aufbau nach dem Fasten. Besonders Menschen mit Vorerkrankungen oder unter Medikamenteneinnahme sollten ärztlichen Rat einholen.

Vollwertkost statt kurzfristiger Diät
Für viele ist die Fastenzeit auch ein Anlass, die Ernährung grundsätzlich umzustellen. Der ärztlich geprüfte Gesundheitsberater Johann Janisch setzt dabei auf vitalstoffreiche Vollwertkost. Diese sei keine Diät, sondern eine dauerhafte Ernährungsform.
Im Mittelpunkt stehen Vollkornprodukte, Frischkost wie Obst und Gemüse sowie kaltgepresste Öle. Industriell verarbeiteter Zucker, Weißmehlprodukte und gehärtete Fette hätten in einer Vollwertkost keinen Platz. Ein zentrales Element ist der sogenannte Frischkornbrei – eine Weiterentwicklung des klassischen Birchermüslis.
Janisch betont, dass Vollwertkost langfristig zu einem stabilen Idealgewicht führen könne, ohne kurzfristige Diäteffekte oder Jo-Jo-Phänomene. Ziel sei es nicht, zu hungern, sondern den Körper optimal zu versorgen und ein nachhaltiges Gleichgewicht zu erreichen.

Ein geistiger und körperlicher Frühjahrsputz
Ob religiös motiviert, gesundheitlich begründet oder als persönliche Herausforderung – Fasten kann eine wertvolle Auszeit vom Alltag sein. Es schafft Raum für Reflexion, fördert Achtsamkeit und kann positive Effekte auf Körper und Geist haben.
Die Fastenzeit lädt dazu ein, Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Impulse zu setzen. Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Moment für einen bewussten Neustart – in kleinen, aber nachhaltigen Schritten.
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