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Ein zweisprachiges Musical, das Generationen verbindet

10.02.2026

Drei Jahrzehnte nach seiner Uraufführung kehrte ein besonderes Kapitel burgenländischer Kulturgeschichte noch einmal ins Rampenlicht zurück: Das zweisprachige Musical „Baran“, das 1995 anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung von Großwarasdorf (Veliki Borištof) aufgeführt wurde, erlebte kürzlich eine emotionale Wiederbegegnung in Form einer gemeinsamen Filmvorführung. Viele der damaligen Mitwirkenden waren anwesend, erinnerten sich, lachten, staunten – und wurden vom Publikum mit großem Applaus bedacht.

„Baran“, übersetzt „Widder“, gilt als eines der ersten zweisprachigen Schulmusicals im Burgenland. Die Idee stammte vom Musiker, Musikpädagogen und Chorleiter Heinz Hoffmann, der nicht nur die musikalische Leitung übernahm, sondern auch für Regie und konzeptionelle Umsetzung verantwortlich war. Ausgangspunkt war der Wunsch der Gemeinde, das große Jubiläum gemeinsam mit der Schule zu gestalten. Was daraus entstand, war weit mehr als ein Festbeitrag: ein ambitioniertes Kulturprojekt, das Geschichte, Musik, Theater und Mehrsprachigkeit miteinander verband.

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Aus dem Privatarchiv von Heinz Hoffmann

Hofmann machte sich zunächst auf historische Spurensuche. In Zusammenarbeit mit dem Historiker Felix Tobler und auf Basis von Materialien von Rudi Berlakovich entstand das inhaltliche Fundament. Für den Text konnte Stefan Helmut Miletits gewonnen werden, der bereit war, das Musical zu schreiben und Hoffmann dabei große gestalterische Freiheit ließ. Musikalisch griff das Projekt auf mittelalterliche Klänge zurück, inspiriert unter anderem von Carl Orff, gregorianischen Motiven und historischer Volksmusik. Zahlreiche Lehrkräfte, externe Expert:innen und Musiker:innen wirkten mit, darunter auch bekannte Namen aus der regionalen Kulturszene.

Aus dem Privatarchiv von Heinz Hoffmann

Eine zentrale Rolle spielte auch Johanna Hoffmann, die Ehefrau des Projektleiters. Sie übernahm ehrenamtlich einen Großteil der organisatorischen Arbeit, kümmerte sich um Kostüme, Requisiten und zahlreiche Details im Hintergrund. Viele der auf den Bildern sichtbaren aufwendigen Kostüme entstanden mit großem Einsatz, Kreativität und handwerklichem Geschick – ein Aspekt, der bei der aktuellen Filmvorführung besonders bewundert wurde.

Aus dem Privatarchiv von Heinz Hoffmann

Auf der Bühne standen damals Schülerinnen und Schüler im Alter von rund 13 Jahren. Heute, mehr als dreißig Jahre später, blickten sie gemeinsam auf ihre eigenen Auftritte zurück. Das Musical wurde 1995 insgesamt elfmal aufgeführt – ein enormer Erfolg für ein Schulprojekt dieser Größenordnung. Bei der Filmpräsentation war deutlich zu spüren, wie stark diese Zeit bis heute nachwirkt. Immer wieder versuchte das Publikum, bekannte Gesichter zu erkennen, bei einzelnen Szenen kam es zu spontanem Applaus.

Fotocredit: Anna Kornfeind

Nach der Vorführung erzählten viele der damaligen Mitwirkenden von ihren Rollen: vom Baran selbst über Tänzerinnen, Musiker, Erzählerinnen, technische Verantwortliche bis hin zur „Stimme Gottes“. Einige erinnerten sich detailliert, andere nur bruchstückhaft – doch fast alle betonten, wie prägend diese Erfahrung für sie gewesen sei. Mehrfach fiel der Satz, dass man damals gar nicht realisiert habe, wie außergewöhnlich dieses Projekt eigentlich war. Erst mit zeitlichem Abstand werde deutlich, welche kulturelle Bedeutung „Baran“ hatte.

Fotocredit: Anna Kornfeind

Besonders hervorgehoben wurde auch der zweisprachige Charakter des Musicals. Deutsch und Kroatisch standen gleichwertig nebeneinander und machten das Stück für ein breites Publikum zugänglich. Genau darin liege, so betonten mehrere Gäste, seine bleibende Stärke: „Baran“ sei ein frühes Beispiel dafür, wie gelebte Mehrsprachigkeit im Burgenland auf kreative Weise sichtbar und hörbar gemacht werden kann.


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