Skip to content

Live Stream

Beschmierte Ortstafeln – Angriff auf ein Symbol der Vielfalt

05.03.2026

Im Nordburgenland sorgt derzeit ein Vorfall für große Aufmerksamkeit und Besorgnis. In den Gemeinden Steinbrunn (kroatisch: Stikapron) und Hornstein (kroatisch: Voristan) wurden in der Nacht zum Sonntag zweisprachige Ortstafeln mit schwarzer Farbe beschmiert. Unbekannte Täter strichen gezielt die kroatischen Ortsnamen durch.

Für viele Menschen in der Region geht der Vorfall weit über einfache Sachbeschädigung hinaus. Zweisprachige Ortstafeln sind im Burgenland nicht nur Verkehrsschilder, sondern sichtbare Zeichen der kulturellen Vielfalt und der jahrhundertealten Geschichte der Volksgruppen. Ihre rechtliche Grundlage findet sich unter anderem im Österreichischer Staatsvertrag von 1955, der Minderheitenrechte garantiert.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von cba.media zu laden.

Inhalt laden

Gemeinden reagieren rasch

Die Bürgermeisterin von Steinbrunn, Isabella Radatz-Grausser, zeigte sich über den Vorfall schockiert. Die ersten Fotos der beschädigten Tafeln erreichten sie am Sonntagmorgen.

„Mir war sofort klar, dass wir darauf reagieren müssen“, erklärte sie im Gespräch. Die Gemeinde veröffentlichte umgehend eine Stellungnahme in den sozialen Medien. Die Reaktionen aus der Bevölkerung seien eindeutig gewesen: Viele Menschen hätten ihr Entsetzen ausgedrückt und gleichzeitig ihre Unterstützung für die Mehrsprachigkeit und das Burgenlandkroatische betont.

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Trotz der negativen Ereignisse sieht Radatz-Grausser darin auch ein positives Signal: „So schlimm die Tat ist – es war schön zu sehen, wie stark sich die Bevölkerung hinter die Mehrsprachigkeit stellt.“

Auch in Hornstein reagierte die Gemeinde rasch. Bürgermeister Christoph Wolf bestätigte, dass die Polizei unmittelbar informiert wurde. Zwar gebe es derzeit noch keine konkreten Hinweise auf die Täter, doch würden mögliche Videoaufnahmen aus privaten Kameras geprüft.

„Das Kroatische gehört zu unserer Identität“

In beiden Gemeinden stößt der Vorfall auf großes Unverständnis. Bürgermeister Wolf betonte, dass das Kroatische seit Jahrhunderten Teil der lokalen Kultur sei.

„Die Tamburica, unsere Traditionen und die Sprache gehören zu unserer Identität als Ortsgemeinde“, erklärte er. Gerade deshalb sei es schwer nachvollziehbar, warum jemand gezielt den kroatischen Ortsnamen beschädigt habe.

Sollte es sich lediglich um einen unüberlegten Jugendstreich handeln, hofft Wolf, dass den Verursachern die Tragweite ihres Handelns bewusst wird. Falls die Tat jedoch bewusst gegen die Zweisprachigkeit gerichtet gewesen sei, wäre das aus seiner Sicht besonders problematisch.

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Klare Verurteilung durch Volksgruppenvertretungen

Der Vorfall löste auch Reaktionen bei Vertreterinnen und Vertretern der Volksgruppen aus. Josef Buranits, Generalsekretär des österreichischen Volksgruppenzentrums und Sprecher kroatischer Organisationen, verurteilte den Vandalismus deutlich.

Aus seiner Sicht richte sich die Tat nicht nur gegen einzelne Ortstafeln, sondern gegen die kroatische Volksgruppe insgesamt und gegen die Sichtbarkeit ihrer Sprache im öffentlichen Raum.

„Es ist ein Angriff auf die Vielfalt des Burgenlandes und auf das friedliche Zusammenleben der Kulturen“, betonte Buranits. Gleichzeitig zeigte er sich überrascht über den Vorfall, da das Zusammenleben der Volksgruppen in der Region bislang als sehr positiv wahrgenommen werde.

Beitratsvorsitzender der Ungarn, Attila Somogyi und Beiratsvorsitzender der Kroaten, Josef Buranits

Solidarität anderer Volksgruppen

Auch Vertreter der ungarischen Volksgruppe äußerten ihre Solidarität. Attila Somogyi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Ungarn, bezeichnete den Vorfall als „unfassbare Untat“.

Die zweisprachigen Ortstafeln seien Ausdruck verfassungsmäßiger Rechte und Teil der historischen Entwicklung des Burgenlandes. Solche Angriffe dürften nicht verharmlost werden, betonte Somogyi. Gleichzeitig warnte er davor, dass mangelndes Wissen über die Geschichte der Volksgruppen zu solchen Vorfällen beitragen könne.

Breite politische Reaktionen

Neben den Gemeinden und Volksgruppen reagierten auch politische Vertreterinnen und Vertreter auf den Vorfall. Mehrere Parteien im Burgenland verurteilten die Beschädigungen und betonten die Bedeutung der Minderheitenrechte.

Auch die Nationalratsabgeordnete Pia Maria Weninger erklärte in einer Stellungnahme, dass Angriffe auf Minderheitensprachen letztlich auch Angriffe auf die autochthonen Volksgruppen Österreichs seien.

Mehr als nur ein beschädigtes Schild

Der Vorfall zeigt deutlich, wie sensibel das Thema Minderheitenrechte und Mehrsprachigkeit weiterhin ist. In Österreich sind insgesamt sechs autochthone Volksgruppen anerkannt – darunter die burgenlandkroatische, die ungarische und die Roma-Volksgruppe. Ihre Rechte auf Sprache, Bildung und kulturelle Sichtbarkeit sind gesetzlich geschützt.

Zweisprachige Ortstafeln sind daher nicht nur ein administratives Detail, sondern ein Symbol für diese Rechte und für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen.

Gerade deshalb betonen viele Stimmen aus der Region: Entscheidend sei jetzt, dass die Tat aufgeklärt wird – und dass der Zusammenhalt in den Gemeinden stärker bleibt als jede Provokation.


Zurück zur Übersicht