„Rič i vino“: Literatur, Wein und weibliche Perspektiven
11.03.2026
Literatur, Gespräche und ein Glas Wein – im Kroatisches Zentrum Wien stand kürzlich alles im Zeichen des Internationaler Frauentag. Der sogenannte „Hakovski večer“ wurde vom Kroatischer Akademikerklub (Hrvatski Akademski Klub – HAK) organisiert und brachte Autorinnen, Publikum und Kulturschaffende zusammen. Im Mittelpunkt standen weibliche Perspektiven, gesellschaftliche Themen und der Austausch über Literatur und Feminismus.
Durch den Abend führte Moderatorin Vera Buranits, die auch eine gemeinsame Diskussion mit dem Publikum initiierte. Ziel der Veranstaltung war es, Autorinnen aus der kroatischen Volksgruppe eine Bühne zu geben und gleichzeitig Raum für Gespräche über aktuelle gesellschaftliche Fragen zu schaffen.
„Es gibt so viele fantastische Autorinnen in unserer Volksgruppe, deren Stimmen oft zu wenig sichtbar sind“, erklärte Buranits im Gespräch mit Radio-MORA-Reporter Daniel Frkat. Deshalb habe man sich bewusst entschieden, eine Veranstaltung rund um den Frauentag zu organisieren, bei der Frauen und ihre Perspektiven im Mittelpunkt stehen. Gerade im März, der vielerorts als Monat der Frauenrechte verstanden wird, sei es wichtig, solche Räume für Austausch und Sichtbarkeit zu schaffen.
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Mehrere Autorinnen gestalteten den Abend literarisch mit. Zu hören waren Texte von Dorothea Zeichmann, Anna Schoretits und Andrea Kerstinger. Ihre Gedichte und Kurztexte behandelten Themen wie Identität, Sprache, Mut, Widerstand oder Care-Arbeit. Dabei verbanden sie persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen.
Besonders eindrucksvoll war etwa ein Gedicht von Anna Schoretits, das Humor mit Nachdenklichkeit verbindet. Zwischen den Zeilen gelingt es der Autorin, Alltagssituationen aufzugreifen und gleichzeitig gesellschaftliche Fragen anzusprechen. Auch die Texte von Dorothea Zeichmann bewegten viele Zuhörerinnen und Zuhörer – besonders ihre Gedichte über Krieg und politische Krisen, die trotz ihres Alters nichts an Aktualität verloren haben.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die Bedeutung von Literatur selbst. In der anschließenden Diskussion betonten die Autorinnen, dass Literatur eine besondere Form des Nachdenkens ermöglicht. Während soziale Medien oft schnelllebig und oberflächlich seien, biete Literatur Raum für Empathie, Reflexion und tiefere Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen.

„Sprache schafft Wirklichkeit“, sagte Andrea Kerstinger. Deshalb sei es wichtig, dass auch die Stimmen von Frauen gehört werden. Literatur könne helfen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Menschen dazu bringen, sich intensiver mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen.
Neben Literatur spielte auch der Wein eine besondere Rolle an diesem Abend. Die Winzerin Dorothea Jagschitz präsentierte ihr Weinprojekt „Žena“ – kroatisch für „Frau“. Der Rotwein, ein Zweigelt, steht symbolisch für Stärke, Selbstbewusstsein und die Sichtbarkeit von Frauen im Weinbau.

Jagschitz betonte, dass Frauen auch in der Weinbranche immer stärker präsent sind. In ihrem Familienbetrieb habe sich über die Jahre eine Partnerschaft auf Augenhöhe entwickelt – ihr Mann kümmert sich vor allem um Keller und Weingarten, während sie für Marketing und Präsentation verantwortlich ist. Für sie sei es wichtig zu zeigen, dass Tradition und moderne Rollenbilder miteinander vereinbar sein können.
Die Botschaft des Abends richtete sich auch an junge Frauen. Viele der Beteiligten betonten, wie wichtig Selbstbewusstsein, Solidarität und gegenseitige Unterstützung sind. Gleichzeitig erinnerten sie daran, dass viele Rechte, die heute selbstverständlich erscheinen, erst durch frühere Generationen von Feministinnen erkämpft wurden.
„Frauenrechte sind Menschenrechte“, betonte Moderatorin Vera Buranits. Gerade deshalb sei es wichtig, weiterhin darüber zu sprechen, sich gegenseitig zu stärken und gemeinsam für Gleichberechtigung einzustehen.
Der diesmalige „Hakovski večer“ im Kroatischen Zentrum zeigte eindrucksvoll, wie Kultur, Literatur und persönliche Begegnungen gesellschaftliche Diskussionen anstoßen können – und wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Stimmen gehört werden.
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