Vom Schulchor zum Song Contest: Sängerin Anita Wagner im Gespräch
10.03.2026
Sie wusste schon als Kind, wohin ihr Weg führen sollte: auf die Bühne. Die Sängerin Anita Wagner ist seit Jahrzehnten musikalisch unterwegs und gehört zu den bekannten Stimmen aus dem Südburgenland. Vielen ist sie vor allem durch ihren Auftritt beim Eurovision Song Contest im Jahr 1984 in Luxemburg in Erinnerung. Doch ihre musikalische Geschichte beginnt lange davor – in der Oststeiermark.
Geboren wurde Anita Wagner 1960 in Ilz. Schon früh zeigte sich ihre Begeisterung für Musik. „Ich habe immer gern gesungen“, erzählt sie im Gespräch auf Radio MORA. In der Schule trat sie regelmäßig bei Veranstaltungen auf. Ein musikbegeisterter Direktor erkannte ihr Talent und ermutigte sie, bei verschiedenen Schulveranstaltungen aufzutreten.
Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von cba.media zu laden.
Der erste Schritt auf eine größere Bühne folgte bald. Noch als Jugendliche gründete sie gemeinsam mit Freunden eine Band. Ihr erster Auftritt fand im Burgenland statt – bei einer Jazzmesse in einer Kirche. Für Wagner war das ein prägendes Erlebnis. „Es war unglaublich spannend, das erste Mal mit Mikrofon zu singen“, erinnert sie sich. Anfangs sei das ungewohnt gewesen, doch schnell habe sie gemerkt, wie sehr sie die Bühne liebt.
Schon damals war sie in der Region eine Besonderheit: Als junge Sängerin in einer Band war sie eine der ersten Frauen in der lokalen Musikszene. Mit den Jahren folgten weitere Engagements, Auftritte bei Festen und Veranstaltungen sowie neue Bands, die sie als Sängerin engagierten.
Ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere war auch der Auftritt in der ORF-Talentshow „Die große Chance“. Eigentlich habe sie nie den Wunsch gehabt, im Fernsehen aufzutreten, erzählt Wagner. Doch ihre Band überredete sie, an einem Casting teilzunehmen. Die Jury entschied schließlich: Die Band nicht – aber die Sängerin wollten sie unbedingt in der Sendung sehen. Damit stand Wagner erstmals vor einem großen TV-Publikum.
Der internationale Höhepunkt ihrer Karriere folgte 1984. Mit dem Titel „Einfacher Weg“ gewann sie die österreichische Vorausscheidung und durfte Österreich beim Eurovision Song Contest 1984 vertreten. Für die damals 23-Jährige war das eine überraschende Wendung. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, erinnert sie sich. Als ihr Sieg verkündet wurde, konnte sie es zunächst kaum glauben.
Obwohl Wagner beim Wettbewerb den letzten Platz belegte, blieb die Erfahrung für sie unvergesslich. „Diese Erinnerung kann mir niemand mehr nehmen“, sagt sie heute. Der Song war danach mehrere Wochen in den österreichischen Charts vertreten.
In Luxemburg trafen damals nur 19 Länder aufeinander – deutlich weniger als heute. Halbfinale gab es noch keines, alle Teilnehmer standen direkt im Finale auf der Bühne. Auch die Show selbst war wesentlich schlichter als in der heutigen ESC-Welt mit aufwendigen LED-Bühnen und spektakulären Effekten. Begleitet wurden die Künstler damals noch von einem Live-Orchester, dirigiert wurde der österreichische Beitrag von Richard Österreicher.
Dennoch entschied sich die Sängerin bewusst gegen eine kompromisslose Karriere im Musikgeschäft. Familie und ein stabiles Privatleben waren ihr ebenso wichtig. Seit den frühen 1980er-Jahren lebt sie im Südburgenland, wohin sie auch die Liebe führte: Ihren Mann lernte sie bei einem Auftritt in Oberdorf kennen. Heute beschreibt sie die Region als ihren „Sehnsuchtsort“.
Musikalisch blieb Wagner stets vielseitig. Ihr Repertoire reicht von Pop und Austropop über Country bis hin zu Jazz-Elementen. Besonders die Countrymusik liegt ihr am Herzen – sie veröffentlichte auch ein eigenes Country-Album. Außerdem arbeitete sie im Laufe ihrer Karriere mit verschiedenen Musikerinnen und Musikern zusammen, darunter der österreichische Song-Contest-Veteran Gary Lux, mit dem sie ein Duett aufnahm.
Auch heute steht Anita Wagner regelmäßig auf der Bühne. Besonders häufig tritt sie in Hotels und bei Veranstaltungen in der Steiermark und im Südburgenland auf. Ihr Mann unterstützt sie dabei technisch – er kümmert sich um Tonanlage und Aufbau, während sie sich auf das Publikum konzentriert.

Für Wagner zählt dabei weniger die Größe der Bühne. „Ob klein oder groß – wichtig ist, dass ich auf der Bühne stehen und Musik machen kann“, sagt sie. Oft singt sie mehrere Stunden und passt ihr Programm spontan an die Stimmung des Publikums an.
Ein weiteres besonderes Erlebnis war kürzlich ihr Auftritt beim Roma-Ball in Unterwart, wo sie als Gastkünstlerin eingeladen war. Die Atmosphäre dort habe sie besonders beeindruckt – vor allem die musikalische Vielfalt und die offene, lebendige Stimmung.
Auch mit 65 Jahren denkt Anita Wagner noch lange nicht ans Aufhören. Ihr Terminkalender sei gut gefüllt, erzählt sie, und solange sie Auftrittsanfragen bekomme und gesund bleibe, wolle sie weiterhin auf der Bühne stehen.
Jungen Musikerinnen und Musikern gibt sie vor allem einen Rat: authentisch bleiben und die Liebe zur Musik nicht aus den Augen verlieren. „Wenn man wirklich für die Musik brennt und seinen eigenen Weg geht, kann vieles gelingen“, sagt sie.
Und genau dieser Weg – zwischen großen Bühnen und vielen kleinen Auftritten – hat Anita Wagner zu einer festen Größe der regionalen Musikszene gemacht.
Zurück zur Übersicht