Skip to content

Live Stream

Internationaler Frauentag: Fortschritte, Herausforderungen und der Weg zur Gleichstellung

09.03.2026

Der Internationaler Frauentag am 8. März erinnert weltweit an die Rechte von Frauen – und daran, dass Gleichstellung noch längst nicht erreicht ist. Auch im Burgenland wird der Tag genutzt, um über aktuelle Herausforderungen zu sprechen und Fortschritte sichtbar zu machen. In der Sendung MEMO auf Radio MORA war dazu Gabi Tremmel-Yakali Leiterin der Abteilung Interessenpolitik der Arbeiterkammer Burgenland, zu Gast. Im Gespräch mit Programmkoordinatorin Liza Hausmann-Farkas ging es um Gleichstellung, Arbeitsmarkt, Care-Arbeit und die Frage, welche Schritte notwendig sind, damit Frauen und Männer tatsächlich die gleichen Chancen haben.

Für Tremmel-Yakali ist der 8. März weit mehr als ein symbolischer Tag. Er stehe für Aufmerksamkeit, Diskussion und politische Forderungen rund um Frauenrechte. Gleichzeitig sei der Frauentag Teil eines ganzen Aktionsmonats. „Der März ist ein Frauenmonat“, erklärt sie. In dieser Zeit finden zahlreiche Veranstaltungen statt – von Diskussionen und Lesungen bis hin zu kulturellen Programmen. Ziel sei es, gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen und darauf hinzuweisen, wo weiterhin Handlungsbedarf besteht.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von cba.media zu laden.

Inhalt laden

AK-Abteilungsleiterin Gabi Tremmel-Yakali

Dabei unterscheidet sich die Bedeutung des Frauentags weltweit stark. In manchen Ländern ist er gesetzlicher Feiertag, in anderen steht vor allem politische Arbeit im Vordergrund. Gemeinsam sei den unterschiedlichen Frauenbewegungen jedoch das Ziel eines selbstbestimmten, gleichberechtigten und gewaltfreien Lebens für Frauen. Während Frauen im Iran etwa für demokratische Rechte kämpfen, gehe es in den Vereinigten Staaten aktuell auch um den Zugang zu reproduktiven Rechten. In Europa wiederum stehen häufig Fragen der Gleichstellung im Arbeitsleben im Fokus.

Ein zentrales Thema bleibt die Einkommensungleichheit. Frauen verdienen im Schnitt noch immer deutlich weniger als Männer. Laut Tremmel-Yakali habe es zwar Fortschritte gegeben, doch diese verlaufen langsam. Der sogenannte Equal Pay Day, der symbolisch zeigt, wie lange Frauen im Vergleich zu Männern „gratis“ arbeiten, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten zwar nach hinten verschoben – die Lohnlücke sei aber weiterhin spürbar. Besonders problematisch sei, dass sich Einkommensunterschiede auch langfristig auswirken: etwa bei Arbeitslosengeld oder Pensionen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Teilzeitarbeit. Viele Frauen arbeiten weniger Stunden – häufig nicht aus freien Stücken, sondern wegen struktureller Rahmenbedingungen. Fehlende Kinderbetreuung, Branchen mit wenigen Vollzeitstellen oder familiäre Betreuungspflichten spielen dabei eine entscheidende Rolle. „Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit“, betont Tremmel-Yakali. Die Gründe und Auswirkungen seien sehr unterschiedlich und müssten differenziert betrachtet werden.

Große Fortschritte sieht die Expertin hingegen im Bildungsbereich. Junge Frauen erreichen heute in vielen Bereichen höhere Bildungsabschlüsse als noch vor wenigen Jahrzehnten. Auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist deutlich gestiegen. Immer mehr Frauen sind berufstätig und verfügen über ein eigenes Einkommen. Dennoch bleibt die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit eine zentrale Herausforderung.

Denn Studien zeigen, dass ein Großteil der sogenannten Care-Arbeit – also Kinderbetreuung, Pflege oder Haushaltsorganisation – weiterhin überwiegend von Frauen übernommen wird. Diese Doppelbelastung führt oft dazu, dass Frauen weniger Zeit für Erwerbsarbeit haben und häufiger in Teilzeit arbeiten. Um Gleichstellung zu erreichen, brauche es daher sowohl gesellschaftliche Veränderungen als auch politische Maßnahmen, etwa bessere Kinderbetreuungsangebote und eine partnerschaftliche Aufteilung von Familienarbeit.

Auch gesetzliche Maßnahmen können Fortschritte bringen. In einigen Bereichen – etwa bei Aufsichtsräten großer Unternehmen – haben Quotenregelungen dazu geführt, dass mehr Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Solche Instrumente seien wichtig, um strukturelle Ungleichheiten aufzubrechen.

Neben politischen Rahmenbedingungen spielt laut Gabi Tremmel-Yakali auch gesellschaftliche Unterstützung eine Rolle. Frauen sollten sich gegenseitig stärken und ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Gleichstellung beginne nicht nur in der Politik oder am Arbeitsplatz, sondern auch im Alltag – etwa in Partnerschaften, Familien oder im sozialen Umfeld.

Der Internationale Frauentag erinnert somit nicht nur an historische Kämpfe der Frauenbewegung. Er zeigt auch, wie aktuell viele Fragen weiterhin sind: von fairer Bezahlung über Kinderbetreuung bis hin zu gesellschaftlichen Rollenbildern. Für Gabi Tremmel-Yakali steht fest: Gleichstellung ist ein langfristiger Prozess – aber jeder Schritt in diese Richtung zählt.


Zurück zur Übersicht