Skip to content

Live Stream

Der Kroatische akademische Klub: Seit 1948 Stimme der burgenländischen Kroaten

12.02.2026

Was 1947 als Zusammenschluss burgenlandkroatischer Studierender und Akademiker:innen in Wien begann, ist heute eine der wichtigsten Jugendorganisationen der Volksgruppe: der Kroatische akademische Klub (Hrvatski akademski klub, kurz HAK). Ein Jahr nach der Gründung wurde der Verein offiziell ins Leben gerufen – mit dem Ziel, Sprache, Kultur und Geschichte der burgenländischen Kroaten aktiv zu leben und weiterzugeben.

Von Anfang an verstand sich der HAK als Plattform für junge Menschen in Wien. Klubabende, Sprachinitiativen, kulturelle Veranstaltungen und politische Bildungsarbeit schufen Räume für Begegnung und Austausch. Auch wenn die Mitgliederzahl im Lauf der Jahrzehnte schwankte, blieb die Bedeutung des Vereins für die Gemeinschaft groß. Spätestens mit dem österreichischen Staatsvertrag von 1955 und der Verankerung der Minderheitenrechte in Artikel 7 erhielt der HAK eine zentrale Rolle in der minderheitenpolitischen Arbeit.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von cba.media zu laden.

Inhalt laden

Heute steht mit Matthias Popović ein junger Präsident an der Spitze des Vereins. Sein Weg zum HAK begann über persönliche Kontakte und das Bedürfnis, auch in Wien kroatischsprachige Gemeinschaft zu erleben. Gerade für junge Menschen aus dem Südburgenland, wo Burgenlandkroatisch im Alltag seltener geworden ist, sei der Club ein wichtiger Ort, um die Sprache aktiv zu sprechen und weiterzuentwickeln.

Der HAK versteht sich als offene Plattform. Zwar freut man sich über Mitglieder mit Kroatischkenntnissen, doch Voraussetzung ist vor allem Interesse an Sprache und Kultur. Sprachkurse, Projekte und Seminare sollen den Zugang erleichtern. Ein zentrales Projekt ist etwa das Sommerseminar „Jezik preko granic“ – „Sprache über die Grenzen“ –, bei dem sich junge Kroatinnen und Kroaten aus Österreich, der Slowakei, Ungarn und Kroatien treffen, um gemeinsam Sprache und Identität zu pflegen.

Der HAK veranstaltet auch das erfolgreiche Festival „Dan Mladine“ („Tag der kroatischen Jugend“).

Zum Vereinsalltag gehören regelmäßige Klubabende, Planungssitzungen und Kooperationen mit Schulen und anderen Organisationen. Vieles läuft digital über Chats und soziale Medien – ein Zeichen dafür, wie sehr sich auch die Vereinsarbeit verändert hat. Gleichzeitig bleibt der persönliche Austausch zentral: „Es geht darum, die Sprache zu leben und Gemeinschaft zu erleben“, betont Popović.

Ein besonders prägender Moment für viele Mitglieder war die Demonstration im Mai vergangenen Jahres anlässlich „70 Jahre Staatsvertrag“. Gemeinsam mit Vertreter:innen anderer Minderheiten, unter anderem den Kärntner Slowenen, setzte der HAK ein starkes Zeichen für Minderheitenrechte. Mehrere hundert Menschen beteiligten sich. Für die Organisator:innen war es ein Moment der Solidarität und des Zusammenhalts – und ein Beweis dafür, dass Engagement Wirkung zeigen kann.

Auch Nikola Subosits, Schriftführer des HAK, beschreibt den Club als wichtigen Treffpunkt für junge Burgenlandkroat:innen. Er kam über eine Veranstaltung in seiner Heimatgemeinde zum Verein und schätzt besonders die Vernetzung und die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken. Der HAK sei heute die einzige Jugendorganisation der Volksgruppe, die in dieser Form aktivistisch tätig sei.

Eine zentrale Rolle spielt zudem Sophie Hajszan, Generalsekretärin des HAK. Sie ist oft die erste Ansprechpartnerin, koordiniert Kontakte zum Bundeskanzleramt und kümmert sich um organisatorische und finanzielle Belange. Für sie ist der HAK mehr als ein Verein: Er sei ein Ort ohne Vorurteile, an dem junge kroatischsprachige Menschen zusammenkommen, Freundschaften fürs Leben schließen und sich für ihre Rechte einsetzen können.

Der HAK gibt auch die Zeitschrift „Novi Glas“ sowie deren Online-Ausgabe „noviglas.online“ heraus

International ist der HAK ebenfalls vernetzt. Als Mitbegründer der „Jugend Europäischer Volksgruppen“ (JEV) arbeitet der Club mit Minderheitenorganisationen aus ganz Europa zusammen. Seminare, Netzwerktreffen und gemeinsame Projekte stärken den Austausch über Ländergrenzen hinweg. Dabei wird deutlich: Minderheitenarbeit ist kein isoliertes Thema, sondern Teil einer europäischen Realität.

Der Unterschied zwischen dem Kroatischen akademischen Klub und dem Kroatischen Zentrum in Wien liegt vor allem in der Altersstruktur: Während das Zentrum generationsübergreifend arbeitet, ist der HAK klar als Jugendorganisation positioniert. Dennoch sind beide eng miteinander verbunden und arbeiten organisatorisch wie inhaltlich zusammen.

Auch nach fast 80 Jahren bleibt der HAK ein Ort des Engagements, der Begegnung und der Zukunftsgestaltung. Wer Teil davon werden möchte, findet den Verein online über Website, Newsletter und soziale Medien – und vielleicht schon bald bei einem der nächsten Klubabende in Wien.


Zurück zur Übersicht