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Zwischen Mehrsprachigkeit und Literatur: Andrea Kerstinger zu Gast im Radio-MORA-Studio

09.02.2026

Kürzlich war die burgenlandkroatische Autorin, Lehrerin und Literaturvermittlerin Andrea Kerstinger zu Gast im Studio von Radio MORA. In einem ausführlichen Studiogespräch sprachen Liza Hausmann-Farkas und Jelica Saček mit ihr über ihren persönlichen Werdegang, das Schreiben zwischen Beruf und Familie, Mehrsprachigkeit im Burgenland sowie über ihren Debütroman „Klasse Frauen“, der am 25. Februar erscheint.

Andrea Kerstinger stammt ursprünglich aus Klingenbach (Klimpuh) und lebt heute in Nikitsch (Filež). Sie unterrichtet Deutsch am Franz-Liszt-Gymnasium Oberpullendorf und ist zusätzlich in der Schulbibliothek sowie beim Schulradio tätig. Die Verbindung von Bildung, Literatur und Radio begleitet sie seit vielen Jahren. Besonders das Schulradio bietet ihr Raum, Mehrsprachigkeit aktiv zu leben. Burgenlandkroatisch fließt dort bewusst in die Sendungen ein, wie Kerstinger im Gespräch betonte. Radio MORA sei für sie ein wichtiger Ort, um sprachliche Vielfalt hörbar zu machen.

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Radio-MORA-Programmkoordinatorin Liza Hausmann-Farkas
Autorin Andrea Kerstinger

Zum Schreiben fand sie vor rund zehn Jahren. Ein persönlicher Einschnitt gab den Anstoß. Der Tod ihrer Großmutter im Jahr 2016 führte dazu, Erinnerungen und Geschichten festzuhalten. Ausgehend von autobiografischen Texten entwickelte sich ihr literarisches Arbeiten weiter. Es folgten Gedichte, kurze Prosatexte und Teilnahmen an Literaturwettbewerben. Erste Veröffentlichungen ließen nicht lange auf sich warten. 2021 erschien ihre Textsammlung „Fingerübungen“, die bereits stark im Burgenland verankert ist. Nun folgt mit „Klasse Frauen“ ihr erster Roman.

Das Buch ist als Episodenroman konzipiert. In 14 Kapiteln stehen 14 unterschiedliche Frauen im Mittelpunkt. Jede von ihnen hat einen eigenen Lebensentwurf, eigene Herausforderungen und Entscheidungen. Ein roter Faden verbindet die einzelnen Kapitel. Ausgangspunkt ist ein angekündigtes Klassentreffen, das selbst nicht beschrieben wird. Erzählt wird von den Tagen davor, in denen Begegnungen, Erinnerungen und Selbstverortungen Raum bekommen. Kerstinger erklärte, sie habe sich bewusst für diese Form entschieden. Ein klassischer Roman erschien ihr zunächst zu groß. Über kürzere Texte und Kapitel fand sie einen Zugang, der sich mit ihrem Alltag als berufstätige Mutter vereinbaren ließ.

Thematisch stehen Frauenleben im Fokus. Kerstinger sprach offen darüber, dass Feminismus für sie ein zentrales Anliegen sei. Es gehe um Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Gleichstellung, um gesellschaftliche Erwartungen und um individuelle Lebenswege. Wichtig war ihr dabei, alle Lebensentwürfe gleichwertig nebeneinanderzustellen. Die Kapitel sind bewusst gleich lang, um keine Hierarchien zu erzeugen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Mehrsprachigkeit. Als Burgenlandkroatin und Grenzgängerin zwischen Österreich und Ungarn verarbeitet Kerstinger auch sprachliche Vielfalt literarisch. In ihren Texten finden sich kroatische und vereinzelt ungarische Elemente. Sie möchte damit sichtbar machen, dass Volksgruppensprachen Teil des Burgenlands sind. Im Gespräch erzählte sie von Erfahrungen außerhalb der Region, wo dieses Wissen oft fehlt. Umso wichtiger sei es, diese Realität in Literatur, Schule und Medien abzubilden.

v.l.n.r.: Radio-MORA-Programmkoordinatorin Liza Hausmann-Farkas, Autorin Andrea Kerstinger und Radio-MORA-Redakteurin Jelica Saček

Lesen spielt im Leben der Autorin eine zentrale Rolle. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der zweisprachigen Bibliothek in Kroatisch Minihof (Mjenovo) engagiert sie sich seit vielen Jahren für Leseförderung. Bücher, Bibliotheken und lesende Frauen finden sich auch im Roman wieder. Kerstinger beschrieb Lesen als lebenslange Leidenschaft, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Nicht jedes Buch müsse zu Ende gelesen werden, sagte sie. Entscheidend sei der richtige Zeitpunkt.

Das vollständige Interview mit Andrea Kerstinger ist demnächst im Radio-MORA-Podcast zu hören. Darin gibt die Autorin weitere Einblicke in ihre Arbeit, ihre Themen und die Entstehung von „Klasse Frauen“, einem Buch, das Frauenleben im Burgenland vielstimmig und differenziert erzählt.


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