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Vom klassischen Literaturbetrieb zur breiten Vermittlung

21.01.2026

Das Literaturhaus Mattersburg ist seit mehr als drei Jahrzehnten ein zentraler Ort für Literaturvermittlung im Burgenland. Als einziges Literaturhaus des Bundeslandes verbindet es Lesungen, Diskussionen, Bildungsarbeit und internationale Kooperationen. Geleitet wird das Haus seit über zwanzig Jahren von Barbara Mayer, die die Entwicklung maßgeblich mitgestaltet hat und für einen offenen, dialogorientierten Zugang zur Literatur steht. Barbara Mayer war zu Gast bei Radio MORA.

Gegründet wurde das Literaturhaus Mattersburg im Jahr 1994. Ausgangspunkt waren frei gewordene Räumlichkeiten im Kulturzentrum Mattersburg sowie eine vorhandene Bibliothek. In einer Phase, in der österreichweit mehrere Literaturhäuser entstanden, konnte auch im Burgenland eine eigene Institution aufgebaut werden. In den Anfangsjahren lag ein Schwerpunkt auf sogenannten kleinen Literaturen, insbesondere auf burgenländischen Autorinnen und Autoren sowie auf Literatur aus den Nachbarländern.

Mit der Übernahme der Leitung im Jahr 2006 begann eine inhaltliche Neuorientierung. Barbara Mayer und ihr Team öffneten das Haus stärker für unterschiedliche Zielgruppen und Fragestellungen. Ziel war es, Literatur nicht als exklusives Angebot zu verstehen, sondern als Einladung an möglichst viele Menschen. „Wir haben uns gefragt, was das Publikum braucht und wie wir Menschen in unserer Region für Literatur begeistern können“, erklärt Mayer.

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Regionale Verankerung und internationale Vernetzung

Ein zentrales Merkmal der Arbeit ist bis heute die Verbindung von regionaler Literaturarbeit mit internationaler Perspektive. Das Literaturhaus präsentiert burgenländische Autorinnen und Autoren, ist aber zugleich in europaweite Lesereisen und Kooperationen mit Verlagen eingebunden. Besonders wichtig ist dabei der Austausch mit Nachbarländern wie Ungarn, der Slowakei, Tschechien oder Polen. Mehrsprachigkeit wird nicht als Zusatz, sondern als selbstverständlicher Teil der burgenländischen Realität verstanden.

Diese Offenheit zeigt sich auch im Publikum. Besucherinnen und Besucher kommen nicht nur aus Mattersburg, sondern aus dem gesamten Burgenland und darüber hinaus, etwa aus Ungarn oder Bratislava. Möglich wird diese Arbeit auch durch eine vergleichsweise unabhängige Förderstruktur, da ein Großteil der Mittel aus Bundesförderungen stammt. Dadurch bleibt dem Literaturhaus ein großer gestalterischer Spielraum.

Literatur als Gespräch und Bildungsarbeit

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Literaturhäusern ist die starke Verknüpfung von Lesung und Gespräch. Jede Veranstaltung ist bewusst dialogisch angelegt. Das Publikum wird aktiv eingebunden, Fragen und Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. „Eine Lesung ist bei uns immer auch ein Austausch“, betont Mayer. Diese Offenheit führt mitunter zu Irritationen bei Autorinnen und Autoren, ermögliche aber besonders intensive Begegnungen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Bildungsarbeit. Das Literaturhaus arbeitet eng mit Schulen zusammen und bietet Lesungen, Schreibworkshops und langfristige Projekte für Kinder und Jugendliche an. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Kreativität, Fantasie und eigenes Schreiben Platz haben. Besonders prägend seien Begegnungen, bei denen junge Menschen den Mut finden, über ihr eigenes Schreiben zu sprechen. Diese Erfahrungen hätten dazu geführt, das Angebot an Schreibworkshops gezielt auszubauen.

Bibliothek und gesellschaftliche Themen

Zum Literaturhaus gehört eine öffentliche Bibliothek mit rund 14.000 Büchern. Der Bestand umfasst regionale Literatur, Kinder- und Jugendliteratur sowie Werke von Minderheiten. Die Bibliothek wächst kontinuierlich durch Neuerscheinungen und enge Kontakte zu Verlagen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Begleitung des österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises, der seit mehr als einem Jahrzehnt vom Literaturhaus betreut wird.

Inhaltlich versteht sich das Haus auch als Ort für gesellschaftliche Debatten. Themen wie Migration, Mehrsprachigkeit und Minderheitenkulturen finden regelmäßig Eingang ins Programm. Lesungen und Gespräche mit Autorinnen und Autoren, die persönliche Flucht- oder Migrationserfahrungen einbringen, ermöglichen Perspektiven, die über den regionalen Rahmen hinausweisen.

Literaturhaus-Leiterin Barbara Mayer und Radio-MORA-Redakteurin Jelica Saček

Ausblick und Haltung zur Zukunft

Auch im Jahr 2026 bleibt das Programm vielfältig. Geplant sind neue Projekte für Kinder, internationale Lesungen sowie Literaturreisen in die Nachbarregionen. Gleichzeitig setzt Barbara Mayer auf Kontinuität. Ihr Wunsch für die Zukunft ist klar: stabile Rahmenbedingungen, finanzielle Sicherheit und geistiger Freiraum. „Frei denken und kuratieren zu können, ist im Kulturbereich entscheidend“, sagt sie.

Literatur, so Mayer, sei kein schneller Konsum. Gerade in einer digitalen, beschleunigten Zeit brauche es Orte, an denen Texte wirken dürfen. Das Literaturhaus Mattersburg will ein solcher Ort bleiben – offen, dialogisch und nah an den Lebensrealitäten der Menschen.


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