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Frauenministerin Holzleitner in Oberpullendorf zu Besuch

19.01.2026

Am Freitag, dem 16. Januar, absolvierte Frauen-, Wissenschafts- und Forschungsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) ihren Antrittsbesuch im Burgenland. Im Mittelpunkt stand dabei ein Besuch der Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstelle in Oberpullendorf, gemeinsam mit Landesrätin Daniela Winkler (SPÖ). Ziel war es, sich ein umfassendes Bild von den regionalen Unterstützungsangeboten für Frauen, Mädchen und Familien zu machen und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu thematisieren.

Begrüßt wurde die Ministerin von Doris Horvath, Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle Oberpullendorf. Sie betonte die Bedeutung des Besuchs und den Stellenwert der Einrichtung für die Region. Die Beratungsstelle bietet seit mehr als drei Jahrzehnten kostenlose, anonyme und vertrauliche Unterstützung an. Jährlich werden dort rund eintausend Personen in mehreren tausend Beratungs-, Bildungs- und Vernetzungsgesprächen begleitet.

Im Fokus des Austauschs standen insbesondere Gewaltschutz, Opferschutz und Präventionsarbeit. Vor dem Hintergrund aktueller Femizide in Österreich unterstrich Ministerin Holzleitner die Rolle der Frauenberatungsstellen als erste Anlaufstelle. Sie erklärte: „Die Frauen- und Mädchenberatungsstellen sind oft jene Orte, an die sich Frauen mit Problemlagen aller Art wenden. Sie leisten einen essentiellen Beitrag zur Unterstützung von Frauen in unserem Land.“

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Vernetzung und Prävention als Schlüssel

Holzleitner hob auch die Bedeutung der regionalen Vernetzung hervor. Frauenberatungsstellen könnten nicht alle Probleme allein lösen, seien aber als Drehscheibe besonders wirksam. Die enge Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ermögliche rasche und passgenaue Hilfe. Trotz budgetärer Herausforderungen sei klar, dass in diesem Bereich nicht gespart werden dürfe, da es sich um eine zentrale Säule der Frauenpolitik handle.

Landesrätin Daniela Winkler schloss sich dieser Einschätzung an. Sie bezeichnete die Beratungsstelle als unverzichtbare Einrichtung, deren Arbeit außerhalb von Krisensituationen oft zu wenig wahrgenommen werde. Wichtig sei, Frauen frühzeitig zu ermutigen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Beratung solle nicht erst dann erfolgen, wenn Probleme eskalieren, sondern auch präventiv entlasten und Orientierung geben.

Neues Projekt setzt früh an

Ein Schwerpunkt des Besuchs war die Vorstellung des neuen Projekts „Plan Yourself – Meine Zukunft, meine Entscheidung“, das Ende des vergangenen Jahres gestartet wurde. Projektleiterin Melanie Pöhl erklärte, dass das Angebot gezielt bei Schülerinnen ansetzt. In Workshops an Schulen sollen Themen wie Ausbildungs- und Karriereplanung, finanzielle Selbstständigkeit, Familiengründung und deren Auswirkungen auf Erwerbsbiografien behandelt werden.

Ein zentrales Thema ist dabei der sogenannte Mental Load. Dieser beschreibt die oft unsichtbare, mentale Belastung durch Organisations- und Sorgearbeit, die überwiegend von Frauen getragen wird. Pöhl betonte, dass es für viele Frauen entlastend sei zu erkennen, dass diese Belastung strukturelle Ursachen habe. „Allein die Begriffsdefinition kann schon viel verändern“, sagte sie.

Ministerin Holzleitner lobte den Projektansatz ausdrücklich. Gerade junge Frauen müssten früh über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten informiert werden. Das Projekt leiste einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen Unabhängigkeit und zur selbstbestimmten Lebensplanung.

Langjährige Arbeit mit wachsender Nachfrage

Die Frauenberatungsstelle Oberpullendorf wurde im Jahr 1992 gegründet und wird vom Land Burgenland unterstützt. Die Nachfrage nach Beratung ist in den vergangenen Jahren gestiegen, insbesondere im Bereich Gewaltbetroffenheit und psychosozialer Belastungen. Neben individueller Beratung bietet die Einrichtung auch Bildungs- und Vernetzungsarbeit an.

Doris Horvath wies darauf hin, dass regionale Angebote entscheidend seien, um Frauen rasch und niederschwellig zu erreichen. Gerade bei Gewalt in Beziehungen sei es wichtig, frühzeitig Unterstützung anzubieten und Handlungsspielräume aufzuzeigen. Das neue Projekt „Plan Yourself“ solle dazu beitragen, Risiken wie Armut oder Gewaltbeziehungen früher zu erkennen und präventiv gegenzusteuern.

Bedeutung im gesamtstaatlichen Kontext

Zum Abschluss des Besuchs verwies Ministerin Holzleitner auf den nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen für die Jahre 2025–2029. Regionale Beratungsstellen seien ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Sie leisteten konkrete Arbeit vor Ort und stärkten Frauen und Mädchen nachhaltig in ihren Rechten und Möglichkeiten.

Der Besuch in Oberpullendorf machte deutlich, wie wichtig gut verankerte Beratungsstrukturen für Prävention, Schutz und Stärkung von Frauen sind. Die Frauenberatungsstelle bleibt damit eine tragende Säule der sozialen Infrastruktur im Bezirk und darüber hinaus.


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