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Sichtbarkeit im Herzen der Demokratie

13.01.2026

Die Ausstellung „Wir sind Demokratie“, die kürzlich im österreichischen Parlament eröffnet wurde, rückt jene Menschen in den Mittelpunkt, die oft zu wenig gesehen werden: die sechs autochthonen Volksgruppen Österreichs. Sie ist Teil der Jubiläumsaktivitäten zum 50. Jahrestag des Volksgruppengesetzes von 1976 und versteht sich als dauerhaftes Zeichen für sprachliche, kulturelle und demokratische Vielfalt im Land.

Das Parlament als Ausstellungsort ist bewusst gewählt. Rund 500.000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr in das Hohe Haus. Genau dort soll sichtbar werden, dass die sechs autochthonen Volksgruppen – Burgenlandkroaten, Kärntner Slowenen, Ungarn, Tschechen, Slowaken und Roma – ein fester Teil der Republik und ihres demokratischen Prozesses sind. Kurator Jürgen Pirker betont: „Ein grundlegender Gedanke war, dass die Volksgruppen als Teil der Demokratie verstanden werden und ihre Lebenswelten sichtbar werden.“

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Die Ausstellung verbindet Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Sie zeigt den langen Weg der rechtlichen Anerkennung ebenso wie aktuelle Herausforderungen und Perspektiven. Dabei geht es nicht nur um Gesetze, sondern um gelebten Alltag, Sprache, Bildung und Identität.

Burgenlandkroaten: Gemeinsam in der Vielfalt

Für die burgenlandkroatische Volksgruppe ist die Ausstellung ein besonderer Moment. Harald Ladich, Vorsitzender des Volksgruppenbeitrates der Burgenlandkroaten, spricht von einem „kleinen Feiertag“. Nach jahrzehntelangem Einsatz sei es gelungen, die eigene Identität einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Wir sind gemeinsam eine Community in der großen Community Österreich“, so Ladich. Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit mit anderen Volksgruppen, etwa mit den Roma und den Ungarn im Burgenland.

Ein zentraler Fokus liegt auf jungen Menschen. Sprache gilt als Schlüssel für das Weiterbestehen der Volksgruppen. Ladich betont: „Das wichtigste Element für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Volksgruppe ist die Sprache.“ Deshalb richtet sich ein großer Teil der Ausstellung bewusst an Kinder und Jugendliche, unter anderem mit Filmen, in denen junge Volksgruppenangehörige selbst zu Wort kommen.

Ungarische Volksgruppe: Mehrsprachigkeit als Chance

Auch die ungarische Volksgruppe sieht in der Ausstellung einen wichtigen Schritt. Attila Somogyi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Ungarn in Österreich, verweist auf den Reformbedarf des Volksgruppengesetzes. Nach 50 Jahren brauche es Anpassungen an die heutige Realität. Für ihn ist die Sichtbarkeit entscheidend: „Viele Menschen in den westlichen Bundesländern wissen wenig über die autochthonen Volksgruppen.“

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Somogyi hebt die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Mehrsprachigkeit hervor. Volksgruppenangehörige hätten eine wichtige Rolle bei der Öffnung Österreichs nach Osten gespielt. „Es waren die Mehrsprachigen, die den Boden geebnet haben“, sagt er und verweist auf den deutlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf seit dem EU-Beitritt.

Kärntner Slowenen: Bewusstsein für Vielfalt stärken

Bernhard Sadovnik, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Kärntner Slowenen, bezeichnet die Ausstellung als „riesengroßen Schritt“. Autochthone Volksgruppen seien lange kaum sichtbar gewesen, weder in Schulbüchern noch im Parlament. Das habe zu einem geringen Bewusstsein in der Bevölkerung geführt. Sadovnik erhofft sich vor allem Wirkung bei jungen Menschen: „Mehrsprachigkeit ist eine große Chance, nicht nur für Volksgruppenangehörige.“

Er verbindet mit der Ausstellung auch politische Erwartungen. Zum Jubiläum des Volksgruppengesetzes fordert er eine Novellierung, die bestehende Lücken schließt, insbesondere für jene Volksgruppen, die nicht durch Staatsverträge abgesichert sind.

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Roma: Geschichte sichtbar machen

Für die Volksgruppe der Roma ist die Ausstellung ebenfalls ein Meilenstein. Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma, spricht von einer einmaligen Gelegenheit. „Zum ersten Mal wird hier im Parlament die Geschichte aller sechs Volksgruppen gemeinsam gezeigt.“ Besonders wichtig sei die Darstellung der sprachlichen Entwicklung, etwa die Kodifizierung der Romani-Sprache in den neunziger Jahren.

Gärtner-Horvath kündigt an, dass Roma-Kinder und ihre Eltern die Ausstellung besuchen sollen. Das Parlament selbst sei dabei auch ein Ort der Wertschätzung: ein Raum, in dem Zugehörigkeit sichtbar wird.

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Dauerhafte Präsenz statt Sonderausstellung

Josef Buranits, Generalsekretär des Österreichischen Volksgruppenzentrums, betont einen zentralen Aspekt: Die Ausstellung ist keine temporäre Sonderpräsentation. Volksgruppen sind dauerhaft im Parlament verankert, auch in digitalen Formaten und der Bibliothek. „Das ist besonders wichtig, weil wir so kein Randthema sind, sondern Teil der demokratischen Bildung.“

Buranits sieht das Jahr 2026 als Schlüsseljahr für die Volksgruppenpolitik. Ein modernes Volksgruppengesetz müsse sicherstellen, dass sprachliche und kulturelle Bildung nicht an geografische Grenzen gebunden bleibt, sondern überall dort möglich ist, wo Volksgruppenangehörige leben.

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Ein Angebot für die Zukunft

Die Ausstellung „Wir sind Demokratie“ ist während der regulären Öffnungszeiten des Parlaments kostenlos zugänglich. Zusätzlich werden Führungen angeboten, die sich gezielt an Schulklassen richten. Damit soll das Bewusstsein für Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Demokratie langfristig gestärkt werden.

Die Ausstellung macht deutlich: Autochthone Volksgruppen sind kein Relikt der Vergangenheit. Sie sind lebendiger Teil Österreichs – gestern, heute und in Zukunft.


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