Ein Treffen mit historischer Bedeutung
12.01.2026
Am 31. Dezember kamen Einwohnerinnen und Einwohner von Harkau und Neckenmarkt erneut an der Staatsgrenze zusammen, um das traditionelle Grenztreffen zu begehen. Die Veranstaltung wurde im Jahr 2006 erstmals organisiert, als die kleine Grenze zwischen den beiden Ortschaften geöffnet wurde. Ein Jahr später trat Ungarn dem Schengen-Raum bei. Die asphaltierte Verbindung zwischen Harkau und Neckenmarkt besteht seit mehr als 10 Jahren und ist Teil der internationalen Radroute EuroVelo 13.
Der Bürgermeister von Harkau, Péter Duschanek, erinnert an die Anfänge der Begegnung: „Am Tag des EU-Beitritts Ungarns wurde hier erstmals ein Treffen organisiert. Früher lebten Familien auf beiden Seiten, vor Trianon war das selbstverständlich.“ Mit der neuen Grenzöffnung sei erstmals wieder Hoffnung entstanden, dass sich das Leben der beiden Gemeinden enger verbinden könnte. „Die Menschen sind an Silvester gemeinsam an die Grenze gekommen, haben angestoßen und nicht nur das neue Jahr, sondern eine neue Epoche begrüßt“, so Duschanek, Bürgermeister von Harkau.
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Kontinuität trotz Veränderungen
Auch wenn sich Rahmenbedingungen verändert haben, findet das Treffen bis heute jährlich statt. Duschanek betont: „Wir erwarten unsere österreichischen Freunde weiterhin, zumindest für einen gemeinsamen Neujahrsgruß.“ Die Harkauerinnen und Harkauer kommen laut ihm traditionell am Nachmittag zur Grenze, es gibt Tee, belegtes Brot und kurze Gespräche, bevor alle wieder nach Hause gehen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass die Beteiligung nicht mehr so groß ist wie früher. Eine Besucherin aus Neckenmarkt beschreibt ihre Sicht: „Wir halten sehr viel davon, weil wir jedes Jahr hier sind. Es ist schön, wenn man zusammenkommt und miteinander spricht.“ Sie bedauert jedoch, dass sich weniger Menschen aus Neckenmarkt beteiligen. Ein weiterer Teilnehmer fasst es knapp zusammen: „Das Wichtigste ist immer, dass Leute miteinander sprechen. Die Kommunikation ist wichtig.“
Kritische Stimmen aus Harkau
Neben positiven Erinnerungen gibt es auch kritische Einschätzungen zur aktuellen Entwicklung des Grenztreffens. Ein Bewohner aus Harkau, der anonym bleiben möchte, äußert Enttäuschung: „Früher war das ein gemeinsames Feiern mit Handschlag, Gesprächen und Begegnungen. Das hat sich verändert.“ Seiner Meinung nach habe das Treffen einen Teil seines ursprünglichen Charakters verloren.
Er führt dies unter anderem auf organisatorische Veränderungen zurück. „Nach Schengen war das ein starkes Zeichen. Später hat das Interesse auf der anderen Seite nachgelassen“, sagt der Harkauer. Die Begegnung sei zwar weiterhin gut gemeint, erreiche aber nicht mehr viele Menschen. „Man müsste das Treffen vielleicht anders gestalten oder näher ins Dorf holen, damit mehr Leute zusammenkommen“, so seine Einschätzung.
Symbol für Nachbarschaft und Dialog
Trotz unterschiedlicher Wahrnehmungen bleibt das Grenztreffen ein sichtbares Symbol für die gemeinsame Geschichte und die Bedeutung offener Grenzen. Es erinnert daran, dass die Grenze zwischen Harkau und Neckenmarkt über Jahrzehnte hinweg Familien und Nachbarschaften getrennt hat. Mit dem EU- und Schengen-Beitritt wurden neue Möglichkeiten des Austauschs geschaffen.
Auch wenn die Form des Treffens diskutiert wird, sehen viele darin weiterhin einen wichtigen Moment des Innehaltens. Der Silvestertag bietet Raum für Gespräche, Erinnerungen und den Blick auf das kommende Jahr. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen bleibt der direkte Austausch zwischen Menschen ein zentraler Wert.
Das Grenztreffen zwischen Harkau und Neckenmarkt zeigt damit sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen grenzüberschreitender Traditionen. Es steht für gelebte Nachbarschaft, aber auch für die Notwendigkeit, bestehende Formate weiterzuentwickeln, um ihre Bedeutung für kommende Generationen zu erhalten.
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