45 Jahre BRUJI – 45 Jahre „Krowodnrock“
27.11.2025
Am 22. November stand die KUGA ganz im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Die Gruppe BRUJI feierte fünfundvierzig Jahre Bandgeschichte – und ebenso viele Jahre „Krowodnrock“. Das Konzert brachte mehrere Generationen von Musikerinnen und Musikern auf eine Bühne: die junge Sängerin Mira Perusich, der Liedermacher Max Schabl mit dem Volk der Mäuse, das Vokalensemble BasBariTenori sowie die Turbokrowodn. Durch den Abend führte Marco Blascetta, der als „Bruji-Baby“ zur ersten Generation der Kinder gehörte, die einst die Rock-Pop-Workshops mit Bruji besuchten.
Der Saal war von Beginn an von einer ungewöhnlich intensiven Stimmung erfüllt: Freude, Respekt und ein starkes Gemeinschaftsgefühl prägten den Abend, wie viele der Beteiligten betonten. Radio-MORA-Redakteurin Gerlinde Stern-Pauer führte Gespräche u.a. mit Joško Vlasich, Vertreterinnen und Vertretern der mitwirkenden Gruppen sowie dem KUGA-Obmann Manuel Bintinger.
Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von cba.media zu laden.

Von „The Brew“ zu BRUJI
Zu Beginn erzählte Gründungsmitglied Joško Vlasich, wie sich aus der damaligen Cover-Band The Brew Ende der 1970er-Jahre die BRUJI entwickelte und damit der Grundstein für den „Krowodnrock“ gelegt wurde. Er schilderte den Weg von den frühen Auftritten bis zur bewussten Entscheidung, eigene Texte und Kompositionen zu schaffen und erklärte was das Jubiläum für ihn persönlich bedeutet. „Ich hätte gar nicht selber singen müssen, weil der ganze Saal die Bruji-Lieder mitgesungen hat“, sagte er bewegt. Für ihn sei spürbar geworden, dass die BRUJI mit ihrer Musik viele Menschen über Jahrzehnte begleitet haben.
Im Gespräch beschrieb Vlasich die damalige Situation: Nach Erfolgen in der kroatischen Szene und mehreren Besetzungswechseln sei Keyboarder Toni Perusich nur bereit gewesen einzusteigen, wenn die Band eigene Songs entwickeln würde. Das führte zur stilistischen Neuausrichtung und 1980 zur ersten Produktion unter dem Namen BRUJI.

Der Begriff bruji – „es brummt, es dröhnt“ – stand für die Mischung aus kroatischer Sprache, gesellschaftlicher Haltung und musikalischem Anspruch. Vlasich betonte , dass die Musik für die Band immer auch ein Mittel war, Inhalte und Sprache selbstbestimmt auszudrücken.
Nach dem Konzert zeigte er sich erleichtert und begeistert: Die gemeinsame Energie mit den jüngeren Bands, die gespannte Aufmerksamkeit des Publikums und die Tatsache, dass der ganze Saal von Beginn an mitging, hätten den Abend zu etwas Besonderem gemacht.

Max Schabl und das „Volk der Mäuse“: Verbindung durch Musik
Der Liedermacher Max Schabl, von Fans als „Austropoplegende aus Pilgersdorf“ bezeichnet, trat mit seiner Band Volk der Mäuse auf. Er sprach über seinen Bezug zum Krowodnrock: „Wenn man im Burgenland musiziert, dann ist es unumgänglich, dass man mit Krowodnrock in Berührung kommt.“

Schabl erzählte von gemeinsamen Tourneen mit den BRUJI und betonte, dass diese musikalischen Begegnungen für ihn wie für seine Band prägend waren. Den Namen Volk der Mäuse wählte er in Anlehnung an Kafkas Erzählung Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse – ein bewusster Verweis auf die Rolle von Kunst und Selbstironie in seiner Arbeit.
Er kündigte an, dass im kommenden Jahr neue Veröffentlichungen und ein Vinyl-Album erscheinen werden.

Mira Perusich: Auf der Bühne zwischen zwei Generationen
Die junge Musikerin Mira Perusich trat solo und später gemeinsam mit der Band auf. Für sie war der Abend ein emotionaler Moment: „Es war ein Ankommen und ein Wiederfinden auf der Bühne“, sagte sie. Erst danach sei ihr bewusst geworden, was es bedeutet, als Tochter eines BRUJI-Mitglieds Teil des Jubiläums zu sein.
Ihr nächster Auftritt findet Anfang Dezember im ORF-Radiokulturhaus statt, wo sie ihre neue EP präsentiert.

Die Bedeutung des „Krowodnrock“ für junge Musiker
Im Gespräch mit Radio MORA erzählten Manuel Bintinger, Filip Tyran (BasBariTenori) und Mario „McFly“ Gregorich (Turbokrowodn) über die Bedeutung der BRUJI für ihre musikalische Entwicklung.
Bintinger erinnerte sich, dass er als Kind zwei Lieblingsgruppen hatte: „Die erste Gruppe war Bon Jovi, die zweite Gruppe waren die BRUJI.“ Für ihn seien die BRUJI prägend gewesen – ohne sie wären spätere Projekte wie Turbokrowodn oder frühere Rock-Pop-Workshops kaum möglich gewesen.

Auch Filip Tyran betonte, dass die BRUJI für ihre Arbeit als Vokalensemble wichtig seien. Zwar sei BasBariTenori stilistisch anders aufgestellt, doch viele ihrer Arrangements enthalten musikalische Bezüge zu Krowodn-Elementen.
Mario Gregoritch beschrieb die Jubiläumsfeier als „großes Zeichen für den Krowodnrock“. Die BRUJI hätten seine Generation entscheidend beeinflusst: Ohne ihren Impuls hätte es die Turbokrowodn in dieser Form wohl nicht gegeben.

Der Jubiläumsabend zeigte eindrucksvoll, wie stark der „Krowodnrock“ im Burgenland verankert ist – und wie selbstverständlich mehrere Generationen von Musikerinnen und Musikern sich darauf beziehen. Die BRUJI prägten nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch ein kulturelles Selbstverständnis, das an diesem Abend deutlich spürbar war.

Zurück zur Übersicht